Interview mit Karin Fleischmann

Alternative Bestattungsform Friedwald

                                      Karin Fleischmann im Interview © rheinmainbild.de/Mi Le

 

FFM JOURNAL:

Frau Fleischmann erklären Sie uns bitte das Prinzip des Friedwalds.

 

Karin Fleischmann:

Friedwald ist eine alternative Form der Bestattung. Die Asche Verstorbener ruht in biologisch abbaubaren Urnen an den Wurzeln eines Baumes, mitten in der Natur.

 

 

FFM JOURNAL:

Wo gibt es in Deutschland die Möglichkeit dieser alternativen Bestattungsform?

 

Karin Fleischmann:

In Deutschland gibt es inzwischen 56 Standorte, mit denen die in diesem Jahr

noch hinzu kommen.

 

 

FFM JOURNAL:

Seit wann kann man diese Form der Bestattung nutzen?

 

Karin Fleischmann:

Der erste Friedwald in Deutschland wurde im Reinhardswald vor 12 Jahren eröffnet.

Die Idee kommt aus der Schweiz.

 

 

FFM JOURNAL:

Gibt es hier in der Nähe von Wächtersbach einen Friedwald?

 

Karin Fleischmann:

Den gibt es, und zwar in Gelnhausen-Hailer nicht weit von Wächtersbach entfernt.

Dieser Friedwald wurde 2007 eröffnet.

 

 

FFM JOURNAL:

Für wen kommt diese alternative Form der Bestattung in Frage?

 

Karin Fleischmann:

Menschen, deren Angehörige verstreut wohnen, die die Natur gerne haben und die Bestattungsfrage bereits zu ihren Lebzeiten regeln wollen sind an der Bestattung in

einem Friedwald interessiert.

 

 

FFM JOURNAL:

Im Friedwald gibt es bestimmte Bäume an denen die Urne beigesetzt wird, wie können Angehörige einen solchen Baum finden, wenn sie die Grabstätte aufsuchen möchten?

 

Karin Fleischmann:

Im Idealfall kann man sich im Friedwald bereits zu Lebzeiten einen Baum aussuchen.

Die sogenannten Beerdigungsbäume in einem Friedwald sind alle vermessen, haben

eine Nummer, sind im sogenannten Waldkataster eingetragen und können, wenn man

das möchte, mit GPS gefunden werden.

 

 

FFM JOURNAL:

Gibt es auch noch eine andere Methode einen Beerdigungsbaum im Friedwald zu finden?

 

Es ist zwar vorgesehen, dass am Baum ein Namensschild angebracht wird, aber nur

anhand des Namensschildes wird die Grabstätte keiner finden. Der Förster, der regelmäßig

im Friedwald ist - besonders bei den Waldführungen - kennt den entsprechenden Baum.

 

Es ist das Bestreben da, dass in jedem Friedwald auch ein Plan mit den Bäumen eingerichtet wird - bei vielen gibt es schon solch einen Plan, auf diese Weise kann man auch den Baum finden.

 

 

FFM JOURNAL:

Welches Interesse gibt es bei Kommunen einen Friedwald in ihrer Gemarkung einzurichten?

 

Karin Fleischmann:

Immer mehr Gemeinden zeigten Interesse an der Einrichtung eines Friedwalds, so dass

man hoffe die noch vorhandenen Lücken in Deutschland bald schliessen zu können.

 

 

FFM JOURNAL:

Für welche Personengruppe würden Sie die alternative Bestattungsform des Friedwald besonders empfehlen?

 

Karin Fleischmann:

Für Menschen, die die regelmäßige Pflege des Grabes ihren Angehörigen nicht zumuten wollen oder die keine Angehörigen haben, bietet der Friedwald Abhilfe, denn im Friedwald übernimmt die Natur die Grabpflege.

 

 

FFM JOURNAL:

Frau Fleischmann wir bedanken uns für das Interview.

 

(Das Interview mit Karin Fleischmann wurde von Klaus Leitzbach während der Messe Wächtersbach 2015 geführt)