Interview mit Maria Alexiou vom Kinderhaus Frank

Zur Person:

Frau Alexiou ist im Kinderhaus Frank im Bereich Organisationsmanagement tätig und ist wie sie sagt: "Mädchen für Alles"

 

Zu ihren Ansprechpartnern außerhalb des Hauses gehören Schulen, Ämter, Eltern, Kranken- und Sozialkassen, Ärzte und Spender.

 

Maria Alexiou begleitet auch Projekte wie der sogenannte "Socialday". An diesem Tag kommen Mitarbeiter von Firmen ins Haus, um für einen Tag Gartenarbeit zu leisten oder ein Kinderzimmer

zu streichen.

 

Neben der üblichen Büroarbeit gehört auch die Kassenverwaltung, Liegenschaftsmanagement,

sowie die Öffentlichkeitsarbeit zu ihren umfangreichen und anspruchsvollen Aufgaben für das Kinderhaus Frank.


Das Interview:

 

FFM JOURNAL:

Frau Alexiou, seit wann gibt es die Einrichtung Kinderhaus Frank?

 

Maria Alexiou:

Die Einrichtung gibt es bereits seit 1959 und wurde in Königstein gegründet.

Durch Veränderung des Klientels haben sich auch die baulichen Anforderungen

an das Haus verändert. Seit 1993 ist die Wohneinrichtung für behinderte Kinder

und Jugendliche in Frankfurt-Sossenheim untergebracht.

 

 

FFM JOURNAL:

Was ist der Zweck oder das Ziel der Einrichtung und was können sie für ihr Klientel leisten?

 

Maria Alexiou:

Wir möchten den Kindern ein Zuhause geben, denn sie sind hier Tag und Nacht leben hier und gehen zur Schule. Es kommen Therapeuten ins Haus, wir wollen den Kindern nicht nur ein Zuhause geben, sondern sie auch gemäß ihren Fähigkeiten fördern oder ihnen einfach in ihren Alltagsleben Erleichterung verschaffen. Wir versuchen mit ihnen einen schönen familienähnlichen Alltag zu gestalten.

 

 

FFM JOURNAL:

Mit welcher Art Fachpersonal können sie dies leisten, wie setzt sich ihr Betreuungsteam zusammen?

 

Maria Alexiou:

Wir haben ein interdisziplinäres Team. Es gibt Krankenschwestern, Heilerziehungspfleger und Erzieher, pädagogisch wie pflegerisch wird beides benötigt, jeder macht und jeder lernt von dem anderen. Außerdem kommen, wie bereits erwähnt, Therapeuten ins Haus, sodass wir und auch die Eltern nicht, die das aus verschiedensten Gründen zuhause nicht mehr leisten können zum Beispiel in die Praxen der Krankengymnastik oder Ergotherapie und ähnliches fahren müssen.

 

Die Kinder können also vor Ort behandelt und therapiert werden. Wir versuchen

auch spezielle Therapien zu ermöglichen. So haben wir z. B. einen sehr netten und professionellen Musiktherapeuten, dass ist eine Therapieform die nicht über die Krankenkasse finanziert werden kann, sondern über Spendengelder. 

 

 

FFM JOURNAL:

Wie wird ihre Einrichtung und somit auch das Leben der Kinder finanziert?

 

Maria Alexiou:

Die Einrichtung wird vom Landeswohlfahrtsverband (LWV) finanziert. Der LWV zahlt die Einrichtung und gewährt je nach Schweregrad der Behinderung einen individuellen Tagessatz für das Leben der Kinder. Träger unserer Einrichtung ist der Verein Arbeits- und Erziehungshilfe e.V. (vae). 

 

FFM JOURNAL:

Aktuell zeigt ihre Internetseite nur drei Personen mit Bild und Funktion, wieviel Personen sind tatsächlich für die Betreuung der Kinder im Einsatz?

 

Maria Alexiou:

Aktuell sind zirka 40 Personen für die Betreuung im Einsatz. Auf unserer Internetseite sind nicht alle Betreuer abgelichtet.

Es gibt zum Beispiel eine Fluktuation der Personen, so müssten wir ständig Änderungen vornehmen. In der Hauptsache besteht unsere Belegschaft aus Betreuern. Wir haben auch eine sechs- oder siebenköpfige Hauswirtschaftsmannschaft,

die sich um Küche, Hygiene, Wäsche und viele weitere Belange im Haus kümmern. Sie sind auch als Brandschutzbeauftragte, Sicherheitsbeauftragte oder als Ersthelfer ausgebildet. Ihr Aufgabenbereich umfasst also mehr

als Hauswirtschaft, wie man es im üblichen Sinne kennt. In der Verwaltung des Hauses bin ich im Augenblick allein tätig.

 

FFM JOURNAL:

Wie kam es zu der aktuellen Spendenaktion von Herrn Metzmacher für ihr Haus und wie soll das Geld aus dem "Spendenbembel" verwendet werden?

 

Maria Alexiou:

Wir werden die Gelder für die Therapien, wie zum Beispiel die Musiktherapie oder auch die tiergestützte Therapie, die ich vorhin noch nicht erwähnt habe, verwenden. Dazu kommt eine Ergotherapeutin mit einem Hund hier zu uns in die Einrichtung. Beide, sowohl Therapeutin und auch der Hund sind speziell ausgebildet. Sie kommt bereits einmal wöchentlich zu verschieden Kindern. Solche "Extras" könnten wir uns sonst nicht leisten. Wir haben auch einen erhöhten Bedarf an Spezialkleidung und nicht immer können wir diesen Bedarf mit den Geldern des LWV abdecken. So werden für Kinder die in Rollstühlen sitzen spezielle Jacken benötigt, um nur ein Beispiel zu nennen. Der Verschleiss von Wäsche ist in unserem Haus ein großes Thema. So wird die Wäsche der Kinder in unserem Waschraum mit einer Profiwaschmaschine sehr heiß und hygienisch gewaschen. Wir können durch das Spendengeld auch eine Freizeitfahrt finanzieren, die wesentlich kostenintensiver als eine übliche Klassenfahrt mit gesunden Kindern ist.

 

 

FFM JOURNAL:

Inwieweit sind die Eltern der hier zu betreuenden Kinder

in ihre Arbeit eingebunden?

 

Maria Alexiou:

Alle betreuten Kinder leben fest in unserer Einrichtung Tag und Nacht. Wir haben eine Außenwohngruppe ein Gebäude das nachträglich angebaut wurde, dort leben Kinder die etwas selbstständiger im Leben stehen. Die sind dort untergebracht wo mehr pädagogische als pflegerische Arbeit geleistet wird. Die Eltern dieser Kinder nehmen zum Beispiel ihre Kinder in den Ferien mit in den Urlaub oder oft auch an den Wochenenden mit zu sich nach Hause. Die anderen Eltern dürfen das natürlich auch jeder Zeit und können ihre Kinder besuchen oder können die Kinder auch an den Wochenenden oder in den Ferien mitnehmen, was aber wesentlich schwieriger für die Eltern ist aufgrund der Pflege und Spezialnahrung und Ähnliches notwendig ist und dazu eine spezielle Anleitung nötig ist.

 

FFM JOURNAL:

Welche Altersgruppe von Kindern betreuen sie in ihrer Einrichtung und ist das große Altersspektrum nicht eine besondere Herausforderung?

 

 

Maria Alexiou:

Eigentlich von Null bis 18, wenn wir aber keine Folgeeinrichtung finden dann auch länger. Wir haben zum Beispiel eine 18-Jährige und einen jungen Erwachsenen der schon

22 Jahre alt ist. Sie stehen zwar bereits auf einer Warteliste für eine andere Einrichtung, aber solange es dort noch keinen Platz gibt bleiben sie in unserem Haus. Unser Kleinster ist anderthalb Jahre alt und der Älteste 22 Jahre alt. Die Altersfrage ist jedoch bei der pädagogischen Arbeit mit behinderten Kindern nicht so entscheidend, weil es alter spezifisch keine Unterschiede gibt. 

 

FFM JOURNAL:

Frau Alexiou vielen Dank für das Interview und Ihnen weiterhin viel Erfolg

und Kraft für ihre Tätigkeit.

 

(Das Interview mit Maria Alexiou wurde am 23.09.2016 von Klaus Leitzbach bei der symbolischen Übergabe des Spendenbembel im Kinderhaus Frank durchgeführt)

 

Hintergrund:

Das Kinderhaus Frank wurde von der Kinderkrankenschwester Sigrid Frank in einer Villa in Königstein gegründet. Nachdem es zunächst Kindern lediger Mütter ein Zuhause gab, entwickelte sich die Einrichtung nach und nach zu einer integrativen Einrichtung. Heute ist es eine Wohneinrichtung für Kinder und Jugendliche mit körperlichen Behinderungen in Frankfurt am Main (Stadtteil Sossenheim).

 

In der Einrichtung werden Kinder und Jugendliche mit schweren mehrfachen Behinderungen und besonders hohem Pflegebedarf, von einem persönlich, sehr engagierten, interdisziplinärem Team betreut. Im Vordergrund steht dabei, den Kindern viel Zuwendung, Geborgenheit und damit ein Zuhause zu geben.

 

Bilder rund ums Interview:

© rheinmainbild.de/Klaus Leitzbach

Reportage zum Interview:

 

Anlass unseres Interviews mit Maria Alexiou war die symbolische Übergabe des "Spendenbembel" am Freitag, den 23. September 2016 an das Kinderhaus Frank.

 

Mit dem Spendengeld in Höhe von 4.350 Euro aus der diesjährigen Aktion des Gastronoms Thomas Metzmacher können zur großen Freude von Frau Alexiou einige wichtige Projekte der Einrichtung finanziert werden.

 

Warum der Apfelweinwirt vom Lahmen Esel in Niederursel sich auf diese Weise engagiert, sagt er uns im Interview.

 

FRANKFURT REPORTER © MedienNetzwerk RheinMainRedaktion