Interview mit Susanne Fröhlich und Jan Schuba

Theaterleitung Ensemble "Theater Skyline"

                                                         Susanne Fröhlich und Jan Schuba  Fotos © rheinmainbild.de/Klaus Leitzbach

Zur Person:

Im Anschluss an die Aufführung des Bühnenstücks "Am Horizont" von Petra Wüllenweber im Frankfurter Kellertheater sprachen wir Susanne Fröhlich, die unter ihren Mädchennamen

Susanne Lammertz als Schauspielerin tätig ist und im Stück die Rolle der Anna spielt und mit 

Jan Schuba der Regie führte.


FFM JOURNAL:

Wie kam es eigentlich zur Zusammenarbeit mit der Alzheimer Gesellschaft Frankfurt?

 

Susanne Fröhlich:

Für unsere Jugendtheaterstücke versuchen wir immer kompetente Partner zu finden. Natürlich könnten wir auch im Internet Infos einholen. Aber mit einem kompetenten Partner an unserer Seite, können wir Lehrern und Kindern bei Interesse und Fragen mit Experten in Kontakt bringen. Und wir kennen die Menschen persönlich, die hinter diesen Kontakt stehen. So war es beim Thema Alzheimer naheliegend die Alzheimer Gesellschaft Frankfurt anzusprechen.

 

Jan Schuba:

Frei nach dem Motto: Wann hätte jemand fragen sollen der sich damit auskennt. Ich finde

es immer gut, wenn man jemand hat den man Fragen stellen kann. Denn obwohl das Stück

von Petra Wüllenweber textlich vorliegt, ist es grundsätzlich so, dass man sich bei der Theaterarbeit nicht auf den geschriebenen Text verlässt.

Deshalb war es toll, dass wir mit der Alzheimer Gesellschaft Frankfurt sachkundigen Verstand heranziehen konnten.

 

 

FFM JOURNAL:

Das Theaterstück "Am Horizont" von Petra Wüllenweber, thematisiert die gesellschaftliche Herausforderung Demenz, welchen Bezug zum Thema Alzheimer hatten Sie vor Ihrer Arbeit

an dem Werk?

 

Susanne Fröhlich:

Weil ich eine Tante mit Alzheimer habe, die in einem Heim intensiv betreut wird und es in meiner Familie weitere Personen mit Alzheimer gab, die zuhause betreut wurden, war ich bereits mit dem Thema vertraut. Ich weiß welche emotionellen Belastungen damit verbunden sind. Dies habe ich zum Beispiel bei meiner theaterpädagogischen Arbeit Jugendlichen vermittelt und beschrieben welche eigenen Gefühle damit verbunden als wir unsere Tante in dem Heim unterbrachten. Als Jan Schuba vor Jahren das Stück „Am Horizont“ fand waren wir damals überzeugt, dass es kein gesellschaftliches Thema sei. Das änderte sich jedoch 2014 nach dem Film „Honig im Kopf“. Weil uns das Lesen des Stückes zu jenem Zeitpunkt uns beide angesprochen hat, haben wir es für den Bereich Jugendtheater ausgewählt.

 

Jan Schuba:

Als Kinder- und Jugendtheater wählen wir gesellschaftlich relevante Themen. Und da kam uns der Gedanke einmal etwas Anderes zu machen, das genauso gesellschaftliche Relevanz hat, aber nicht aus den typischen Bereich des Jugendtheaters stammt. Ich fand, dass das Stück „Am Horizont“ ein ganz spannendes Thema sei, deshalb habe ich es für meine Regiearbeit ausgewählt. Die Kooperation mit der Alzheimer Gesellschaft Frankfurt hat mir bei der Inszenierung sehr geholfen.

 

 

FFM JOURNAL:

Hat Ihre künstlerische Auseinandersetzung mit Alzheimer Ihren Umgang mit dem Thema oder mit Betroffenen verändert?

 

Jan Schuba:

Bis zu meiner Inszenierung des Stücks „Am Horizont“ bin ich mit dem Thema Alzheimer nicht in Berührung gekommen. Durch meine Arbeit an dem Stück und die damit verbundene Zusammenarbeit mit der Alzheimer Gesellschaft Frankfurt, habe ich die Erkrankung näher kennengelernt. Ich habe jetzt ein klareres Bild. Ich weiß das es bei Alzheimer sehr viele Phänomene gibt. Man hat uns erklärt, dass es viele verschiedene Formen von Alzheimer gibt. Das Stück

„Am Horizont“ zeigt im Prinzip die Spitzen der Erkrankung.

 

Susanne Fröhlich:

Bei mir hat sich nicht der Umgang mit dem Thema, sondern das Wissen darüber geändert. Ich verstehe jetzt besser warum ein Alzheimer-Erkrankter nicht mehr so reagiert wie früher. Ich habe gelernt, das bestimmte Regionen seines Gehirns ausgelöscht sind, wodurch das einmal Erlernte weg ist. Und das Wissen das die Krankheit verschiedene Verläufe nehmen kann gibt mir Halt und Trost.

 

Bilder rund ums Interview

Susanne Fröhlich und Jan Schuba im Interview  Bilder: © rheinmainbild.de Me Le / Klaus Leitzbach

 

FFM JOURNAL:

Was macht Ihnen an Ihrer Theaterarbeit besonders Spaß?

 

Jan Schuba:

Wo soll ich da anfangen und wo soll ich da aufhören. Also ich finde es grundsätzlich toll Geschichten zu erzählen. Ich bin Autor und als Schauspieler stehe ich auch selbst auf der Bühne, aber ich habe

vor Jahren meine Liebe zur Inszenierung entdeckt und die Regiearbeit finde ich genauso toll und faszinierend wie das spielen.

 

Susanne Fröhlich:

Was macht bei der Theaterarbeit Spaß – Alles. Es ist kein Beruf wo man viel Geld verdient, insofern muss es Spaß machen sonst würde es keiner machen. Ich bin sehr gern Theaterschauspielerin, weil ich da auf der Bühne sofort ein Feedback durch das Publikum bekomme. Ich mag es auch mich in tausend Figuren zu verwandeln. Toll ist auch der Austausch mit meinen Kollegen, die genauso viel Herzblut in ihre Arbeit hineinlegen wie ich, das mitzuerleben macht auf der Bühne unglaublich viel Spaß. Mir gefällt auch was zwischen uns Schauspielern auf der Bühne passiert, wie wir Gefühle austauschen und uns einer Figur nähern. Das macht mir besonders Spaß, weil man dabei unglaublich viel über Menschen lernt.

 

FFM JOURNAL:

Das Kellertheater ist Mitglied in der Frankfurter Theaterallianz, welche Impulse erhalten Sie aus diesem Verbund für Ihre Theaterarbeit?

 

Susanne Fröhlich:

Wir dürfen hier spielen und das ist wunderbar! Denn als freie Theaterbühne haben wir keine feste Spielstätte. Das Kellertheater bietet uns die Plattform die Stücke zu machen die wir umsetzen möchten. Es gibt uns dafür den Freiraum ohne uns zu beschneiden oder vorzugeben welche Themen wir machen sollen. Für diese tolle Zusammenarbeit bin ich sehr dankbar. Wir fühlen uns hier wirklich zuhause.

 

Jan Schuba:

Ich habe hier im Kellertheater zwar zwei Stücke inszeniert stand aber hier noch nicht selbst auf der Bühne. Was ganz Besonderes ist die Atmosphäre der Spielstätte. Ich habe noch nie auf so einer kleinen Bühne gestanden. Im Kellertheater ist man viel näher am Publikum dran, als in einem Haus mit 800 oder 900 Plätzen. Das ist für meine Schauspielkollegen eine ganz tolle Sache.

 

FFM JOURNAL:

Sie haben schon an verschiedenen Spielstätten und Spielorten gearbeitet, was schätzen Sie besonders an der Spielstätte des Kellertheaters und an Frankfurt als Stadt?

 

Susanne Fröhlich:

Die anderen Schauspieler und Regisseure die ich hier kennengelernt habe sind alle sehr mit der Spielstätte verbunden und spielen gerne hier. Und wir haben das Gefühl als Gastspielgruppe hier nicht nur geduldet, sondern auch gewünscht zu sein. Wir sind hier nahe am Publikum und kriegen sofort unser Feedback. Wir schätzen hier auch das schöne freie Arbeiten. Aber natürlich haben und werden wir auch woanders spielen. In Frankfurt kommt man sehr schnell an die Leute ran. Wenn ich mir vorstelle die gleiche Arbeit in Berlin zu machen glaube ich nicht das wir so schnell in Kontakt

kommen würden. Die Leute in Frankfurt sind einfach zugänglicher.

 

FFM JOURNAL:

Frau Fröhlich, Herr Schuba wir bedanken uns für das Interview.

 

(Das Interview wurde von Klaus Leitzbach im Rahmen der Jubiläumsfeier "20 Jahre Alzheimer Gesellschaft Frankfurt"

und der Aufführung des Stücks "Am Horizont" am 14. Februar 2016 im Frankfurter Kellertheater durchgeführt)

 

FFM JOURNAL REPORTAGE zum Interview:

 

Hier geht es zur Reportage hinter dem Interview