Seniorentreff in Weißkirchen in Gefahr?

"Die Sozialarbeit vor Ort ist einfach nötig und muss gewährleistet sein"

redaktioneller Beitrag von Klaus Leitzbach 6. November 2013

Gemeinsames Frühstück im Seniorentreff Weißkirchen © rheinmainbild.de/Klaus Leitzbach (alle Fotos des Artikels)

 

Edith Knapp, Gernot Spinnler und Christa Josef (siehe Bild unten) gehören zu einer Gruppe von Senioren, die sich durch ihr mehrjähriges ehrenamtliches Engagement darum kümmern, dass alles beim Seniorentreff in Oberursel-Weißkirchen "funktioniert".

 

Und im alten Rathaus von Weißkirchen ist fast immer etwas los.

 

Hier treffen sich seit einigen Jahren alle Generationen unter einem Dach.

 

Auf Initiative der Stadt Oberursel im April 2009 wurde die Einrichtung eines familienintegrierten Zentrums unter der Trägerschaft des IB geschaffen, um auch ortsansässige Menschen mit Migrationshintergrund in das Gemeindeleben zu integrieren.

 

Die Macher vom Seniorentreff Weißkirchen und älteste Besucherin

v.l.n.r.: Macher und Initiatoren Edith Knapp, Gernot Spinnler, Christa Josef (ehrenamtliche Mitarbeiter) und im Bild vorne

Friedel Müller (92) älteste Besucherin des Seniorentreffs im alten Rathaus in Oberursel-Weißkirchen © rheinmainbild.de

 

"Es ist ganz wichtig, dass wir ein offener Treff sind, weder kirchlich noch sonst wie gebunden, es kann jeder kommen der will."

 

Eine zuvor von der Stadt Oberursel im Auftrag gegebene Studie von Prof. Dr. Michael Behnisch

(FH Frankfurt) bestätigte den Bedarf einer solchen Einrichtung für Oberursel-Weißkirchen.

 

So gibt es heute multikulturelle Familientreffen, sowie einen Mütter-, Frauen- und Seniorentreff.

 

Doch dieser Seniorentreff in Weißkirchen scheint jetzt in Gefahr zu sein - Droht die Schliessung?

 

Inzwischen besuchen annähernd 94 Seniorinnen und Senioren aus 7 verschiedenen Nationen regelmäßig die eine oder andere Veranstaltung des Seniorentreffs entweder einmal oder mehrmals im Monat.

 

Zu Ihnen gehört auch die 92jährige Friedel Müller aus Weißkirchen.

 

Im Gespräch mit FFM JOURNAL betonte Frau Müller besonders die nette Gemeinschaft,

den Gedankenaustausch und die vielen interessanten Vorträge die sie bereits beim Seniorentreff besucht hat.

 

"Der Mittwoch ist ein sehr schöner Gedanke, es wäre sehr schade, wenn diese Einrichtung wegfallen würde", denn der allwöchentliche Seniorentreff am Mittwoch im alten Weißkirchener Rathaus ist inzwischen ein fester Bestandteil ihres Lebens geworden.

 

Doch es gibt tatsächlich Grund zur Sorge, wie die drei Gesprächsteilnehmer des Seniorentreff gegenüber FFM JOURNAL betonen.

 

Die Stadt plane die Schließung des IB-Jugendclubs und des Stadtteilbüros für 2014, es gebe zwar seitens der Stadt Oberursel eine Zusicherung das die Räumlichkeiten vom Seniorentreff weiter genutzt werden können, möglicherweise aber käme auch ein Umzug in den Seniorentreff nach Oberursel im "Alten Hospital" auf die Weißkirchener zu.

 

Obwohl die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Seniorentreffs autark tätig sind, war die bisherige Unterstützung durch das Stadtteilbüro eine große Hilfe für ihre Arbeit gewesen, doch die sei inzwischen fast gänzlich weggefallen.

 

Wie wertvoll das ehrenamtliche Engagement im Seniorentreff ist, machen die Worte

Gernot Spinnlers deutlich:

 

"Wenn sie so einen Satz von jemanden hören der alleine wohnt: ... am Sonntag habe ich

wieder aus dem Fenster rausgeguckt, Gott sei Dank, es ist bald wieder Mittwoch, dann kann ich mit jemanden wieder frühstücken... , dann läuft es ihnen eiskalt den Rücken runter."

 

Aber genau das, motiviert mich und die anderen, es baut uns auf und hilft unsere Arbeit trotz Schwierigkeiten fortzusetzen, auch wenn das nicht immer ganz einfach ist.

 

Aktivität der Senioren sorgt für mehr Lebensqualität

 Marita Kümmel (links im Bild) sorgt fürs leibliche Wohl der Besucher des Seniorentreffs © rheinmainbild.de

Wir haben in den vergangenen Jahren viele Aktivitäten für die Senioren organisiert:

 

Fahrten mit dem Ebbelwoi-Express oder mit Schiff auf dem Main. Busfahrten zum Opel Zoo

oder Hessenpark. Wandertouren, Spaziergänge, Spiele, Vorträge und vieles mehr.

 

Christa Josef: " Es ist ganz wichtig, dass wir ein offener Treff sind, weder kirchlich noch sonst wie gebunden, es kann jeder kommen der will."

 

Edith Knapp hob hervor:

 

"Anfangs wurden an ca. 1200 ältere Mitbürger Einladungen verschickt und zu Fuß verteilt,

daraus entstand langsam Interesse am offenen Seniorentreff und es haben sich daneben

weitere Interessengruppen hier im Haus etabliert.

 

Inzwischen ist klar, dass für ein ursprünglich nur auf drei Jahre befristetes Projekt weiterhin

Bedarf besteht.

 

Der eigentliche Ansprechpartner das Stadtteilbüro und sein Sozialarbeiter sind aufgrund

von Personalkosten weggefallen".

 

Gernot Spinnler ergänzte:

 

"Die Idee der Stadt und des IB war die Integration der ausländischen Bevölkerung und natürlich

wäre es besser, wenn noch mehr Menschen mit Migrationshintergrund zu den Veranstaltungen

hier im alten Rathaus kommen würden."

 

Das Stadtteilbüro hat zwar eine Telefonnummer aber ist größtenteils verwaist die Aufgaben werden im Gegensatz zu früher nur noch nebenher von einem städtischen Bediensteten erledigt und nicht mehr in dem zeitlichen Umfang wie zuvor durchgeführt.

 

Wir bräuchten aber hier wirklich jemanden von der Stadt der für unsere Aktivitäten im

Seniorentreff Ansprechpartner ist.

 

Alle bisherigen Sachen, die vom Seniorentreff organisiert wurden, hat irgendjemand von uns

in seiner Freizeit gemacht. Natürlich machen wir es gerne, aber wenn es jemand im Stadtteilbüro machen würde, der dafür auch noch bezahlt wird, wäre es für uns wesentlich einfacher. Doch das bricht jetzt total weg.

 

In Zukunft brauchen wir weitere Freiwillige aus dem Kreis der Besucher des Seniorentreffs die sich mit uns gemeinsam engagieren und uns bei unserer ehrenamtlichen Tätigkeit unterstützen. Aber ich bin sicher, dass wir das in den Griff kriegen und einige Arbeiten abgenommen bekommen."

 

Edith Knapp:

 

"Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter können keine Sozialarbeiter ersetzen, einen Teil

der Aufgaben muss ein Träger übernehmen und zwar unbefristet, so wie zum Beispiel

im Seniorentreff "Altes Hospital" in Oberursel.

 

Eine immer wiederkehrende befristete Situation bringt Unruhe und Unverständnis, es ist ein Ansprechpartner vor Ort mit verlässlichen Sprechzeiten notwendig."

 

"Für die Menschen die den Seniorentreff besuchen, wäre es fatal, wenn er

zugemacht werden würde"

 

Christa Josef:

 

"Die Antworten unserer Anfragen bei der Stadt Oberursel signalisierten uns, dass wir hier in dem Haus bleiben könnten, aber für uns stellen sich auch rechtliche Fragen, wer übernimmt die Haftpflichtversicherung für die ehrenamtlichen Mitarbeiter.

 

Deshalb auch die Überlegung im "Alten Hospital" Unterschlupf zu finden."

 

Gernot Spinnler meint zu erkennen, dass im Augenblick verschiedene politische Parteien in

Oberursel nach Möglichkeiten suchen dem Anliegen des Seniorentreffs gerecht zu werden.

 

Für die Menschen die den Seniorentreff besuchen wäre es fatal, wenn er zugemacht werden würde."

 

Edith Knapp:

 

"Die Sozialarbeit vor Ort ist einfach nötig und muss gewährleistet sein."

 

Und Gernot Spinnler fügt hinzu:

 

"Vorbereitungen für Veranstaltungen des Seniorentreffs, wie Einkäufe von Waren am Vortag oder Kontaktaufnahme zu Referenten und deren Terminvereinbarung sind natürlich Aktivitäten, die in die Freizeit der Einzelnen fallen".

 

Edith Knapp:

 

"Das Land Hessen hat 104 Familienzentren ausgezeichnet und fördert diese mit

12.000 Euro, auch die Einrichtung hier in Weißkirchen".

 

Besucherin Friedel Müller sagt am Ende des Tischgesprächs mit FFM JOURNAL:

 

"Ich bin ja nur ein Genießer bei der Einrichtung hier, aber man kann gar nicht dankbar genug

dafür sein. Was sie alle arbeiten kann ich nur bewundern, die müssen wirklich ein Extralob kriegen. Das ist bewundernswert".

 

Und genauso denken ganz sicher viele Teilnehmer des Seniorentreffs. (kl)

 


FFM JOURNAL fragt Stadt Oberursel

 

FFM JOURNAL bittet die Stadt Oberursel um eine Stellungnahme

zur möglichen Schließung des Seniorentreff Weißkirchen.

 

Erster Stadtrat Christof Fink gibt Erklärung der Stadt Oberursel ab:

 

"Gemeinsam mit dem Träger IB suchen wir nach einer kostengünstigeren Lösung

für das Projekt in Weißkirchen" sagt Erster Stadtrat Christof Fink im Gespräch mit

FFM JOURNAL am 11. November 2013

 

In der persönlichen Stellungnahme der Stadt Oberursel erklärte Oberursels

Erster Stadtrat Christof Fink:

 

„Der Seniorentreff wurde in den vergangenen Jahren sehr stark durch das Stadtteilbüro organisatorisch unterstützt.

 

Wir hatten am vergangenen Donnerstag die ersten Haushaltsberatungen im Finanzausschuss der Stadtverordnetenversammlung und dort haben alle Fraktionen signalisiert, dass sie die Einrichtung in Weißkirchen weiter aufrechterhalten möchten.

 

Demzufolge haben wir jetzt den Auftrag gemeinsam mit den Träger der Einrichtung dem IB

zu schauen, wie wir das Ganze kostengünstiger realisieren können und wie wir die benötigten Mittel im Haushalt anderweitig darstellen können“, so Christof Fink zu FFM JOURNAL.

 

Für die betroffenen Senioren in Weißkirchen ist zu hoffen, dass die benötigten finanziellen Mittel

zur Weiterführung der Eintrichtung bereit gestellt  werden können. (kl)


Hintergrund und Links:

Grundlage für die Förderung sind die Fach- und Fördergrundsätze zur Etablierung von Familienzentren in Hessen.

 

Die Förderung wird im Wege der Projektförderung als Festbetragsfinanzierung gewährt und

beträgt bis zu 12.000 Euro pro Einrichtung und Jahr.

 

Bewilligungsbehörde ist das Regierungspräsidium Kassel. Anträge auf die Förderung können

 

über die Kommune beziehungsweise über die Landkreise beim Regierungspräsidium Kassel eingereicht werden.

 

Dort finden Sie auch die Fach- und Fördersetze zur Etablierung von Familienzentren.