Frankfurt vier Tage Zentrum der europäischen Bibliothekswelt

106. Bibliothekartag 2017 in Frankfurt - "Medien - Menschen - Märkte"

redaktioneller Beitrag von Klaus Leitzbach 30. Mai bis 2. Juni 2017

Pressekonferenz am 30. Mai 2017 Podiumsteilnehmer
Pressekonferenz am 30. Mai 2017 Podiumsteilnehmer

Vom 30. Mai bis zum 2. Juni 2017 blickte die Bibliotheks- und Informationswelt Europas

nach Frankfurt am Main.

 

Im Frankfurter Congress Center an der Messe

trafen sich Experten zu Fachveranstaltungen des 106. Bibliothekartags.

 

Während der viertägigen Veranstaltung wurden Trends und Entwicklungen der Bibliotheks- und Informationsbranche präsentiert.

 

Das diesjährige Tagungsmotto „Medien – Menschen – Märkte“ und bot, wieder ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm mit Vorträgen Ausstellungen und Workshops.

 

Zum Erfahrungsaustausch mit Berufskollegen und anderen Experten kam es durch den Besuch

von Bibliotheken oder bei Informationsanbietern, sowie einer begleiteten Firmenausstellung in Messehalle 5.1.

 

"Frankfurter Appell für ein zeitgemäßes Urheberrecht"

Podiumsteilnehmer v.l.n.r.: Ute Schwens Direktorin der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main und ständige Vertreterin der Generaldirektorin; Dr. Sabine Homilius Leiterin der Stadtbücherei Frankfurt am Main; Vesna Steyer Vorsitzende des Berufsverbandes Information Bibliothek e.V. (BIB); Konstanze Söllner, Vorsitzende des Vereins Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VDB) und Dr. Heiner Schnelling Direktor der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt am Main © rheinmainbild.de

 

 

Die Bibliothekare haben anlässlich des 106. Bibliothekartag in Frankfurt, eine Erklärung

Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetzes veröffentlicht.

 

Unter der Überschrift "Frankfurter Appell für ein zeitgemäßes Urheberrecht" beziehen Stellung

– für den Entwurf der Bundesregierung.

 

Auszug aus dem "Frankfurter Appell" für ein zeitgemäßes Urheberrecht:

 

....Im Juni steht im Bundestag die zweite und dritte Lesung des sogenannten Urheberrechts-Wissenschaftsgesellschafts-Gesetzes an. Bibliothekarinnen und Bibliothekare erwarten die Verabschiedung eines neuen zeitgemäßen Urheberrechts für die Wissenschaft, wie es im Koalitionsvertrag der Bundesregierung 2013 angekündigt wurde. Mit Sorge sehen sie, dass nach dem positiven Votum des Bundesrats für den Regierungsentwurf der Übergang zu einem wissenschaftsfreundlichen Urheberrecht durch einzelne Verlage und Medien unangemessen dramatisiert wird. Die Kritik, dass das neue Gesetz kleine Verlage benachteilige, ist ungerechtfertigt. Die durch den Gesetzentwurf vorgesehenen Vereinfachungen und die Präzisierungen schaffen Rechtssicherheit und ermöglichen in vielen Fällen erst wissenschaftliches Arbeiten.....
Der gesamte Wortlaut der Frankfurter Erklärung hier 

 

Bereits auf der Pressekonferenz am Dienstag den 30. Mai 2017 stellten die Vertreter des Podiums

die Wichtigkeit der Gesetzesvorlage der Bundesregierung in den Mittelpunkt ihrer Beiträge.

 

Vesna Steyer, Vorsitzende des Berufsverbands Information Bibliothek e.V. (BIB) sagte dazu:

 

„Hinsichtlich der Anforderungen der modernen Arbeitswelt ist auch ein neugeregeltes Urheberrecht von besonderer Bedeutung. Bibliotheksmitarbeiterinnen und -mitarbeiter sehen sich aufgrund technischer und gesellschaftlicher Veränderungen vielen Herausforderungen gegenüber. Die Reform des Urheberrechts würde deren Arbeit erleichtern und den Ansprüchen von Arbeit 4.0 gerecht werden.“ 

 

Und Konstanze Söllner Vorsitzende des Vereins Deutscher Bibliothekarinnen und Bibliothekare .V. (VDB) sagte:

 

"Nur ein Urheberrecht ohne Sonderregelungen wie Vertragsvorrang oder Einzelerfassung den Anforderungen der Praxis genügt." 

 

Kritiker: "Zwangsdigitalisierung von Autoren und Verlegern"

 

Kritiker der Neuregelung des Urheberrechts-Wissenschaftsgesellschafts-Gesetzes

- so der sperrige Titel der Neuregelung - sehen in der geplanten Änderung jedoch auch Gefahren.

 

So soll im neuen Urheberrechtsgesetz festgeschrieben werden, dass Bildungseinrichtungen wie Bibliotheken und Museen die Werke von Autoren digital nutzen dürfen, und zwar ohne Zustimmung des Autors oder seines Verlegers.

 

Sollen zugunsten von Bildung und Wissenschaft Autoren und Verlage "zwangsdigitalisiert" werden?

 

Das neue Gesetz soll zum Beispiel in Zukunft erlauben, dass Bibliotheken ganze Werke einscannen, und sie anschließend zu Ebooks machen dürfen. Außerdem dürfen sie davon ihren Nutzern

10 Prozent des Werkes je Sitzung zur Verfügung stellen.

 

Aus Zeitungen oder Zeitschriften kann sogar je Sitzung ein ganzer Artikel zugänglich gemacht werden. 

 

Ob das neue Gesetz in dieser Form tatsächlich kommt bleibt abzuwarten.  

Zu den weiteren Themen der Pressekonferenz gehörten dass Konzept des 106. Bibliothekartags

und die aktuellen Rahmenbedingungen der Podiumsteilnehmer und ihrer Verantwortungsbereiche, sowie die allgemeine Situation der deutschen Bibliotheken. 


FFM JOURNAL Interview zum 106. Bibliothekartag in Frankfurt

Beate Herbst - Leiterin des Servicezentrum des Verbundes der Öffentlichen Bibliotheken Berlins (VÖBB)

© rheinmainbild.de
© rheinmainbild.de

 

 

Während des 106. Bibliothekartag trafen wir die Leiterin des

VÖBB-Servicezentrums, des Verbundes der Öffentlichen Bibliotheken Berlins (VÖBB) zum Gespräch in Frankfurt.

 

Das Interview finden Sie hier


Fachvorträge. Workshops. Erfahrungsaustausch.

© rheinmainbild.de

 

In den folgenden vier Tagen war Frankfurt am Main für mehr als 3.800 Teilnehmer des

106. Bibliothekartags das Zentrum der europäischen Bibliothekswelt.

 

Neben etwa 400 Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden gab es interessante Einblicke

in die Arbeitswelt von Bibliotheken und Informationen zu innovativen Entwicklungen der Informationsbranche. (kl)

 

Bilderstrecke 106. Bibliothekartag Frankfurt am Main

© rheinmainbild.de