Welt-Alzheimertag 2017 | Die Vielfalt im Blick - vom Ende des Lebens

Veranstaltung der Alzheimer Gesellschaft Frankfurt in Kooperation mit Haus am Dom

redaktioneller Beitrag von Klaus Leitzbach 13. September 2017

Bildquellen des Artikels: © euro press pictures / © Alzheimer Gesellschaft Frankfurt

 

Die Veranstaltung der Alzheimer Gesellschaft Frankfurt im Haus am Dom ist eingebettet in die zahlreichen deutschlandweiten Aktivitäten rund um den Welt-Alzheimertag. und möchte die Öffentlichkeit auf dieses wichtige gesellschaftspolitische Thema aufmerksam machen.

 

Seit 1994 finden rund um den 21. September vielfältige Veranstaltungen statt, um auf die Situation und Bedürfnisse von Menschen mit Alzheimer und ihren Angehörigen aufmerksam zu machen. In diesem Jahr steht der Tag unter dem Motto: "Die Vielfalt im Blick - vom Ende des Lebens"

 

Grußwort der Stadt Frankfurt:

" Die Alzheimer Gesellschaft Frankfurt am Main stellt hier ein sehr wichtiges Mitglied des seit vielen Jahren etablierten und sich stetig entwickelnden Netzwerkes aus haupt- und ehrenamtlichen Akteuren in der Stadtgesellschaft dar "

Alexandra Dippel, Leiterin Abt. Psychiatrie Gesundheitsamt Frankfurt

 

Zu der Veranstaltung der AGFFM im Haus am Dom hatten sich am heutigen Mittwochnachmittag rund 80 Teilnehmer eingefunden.

 

Zunächst entrichteten Frau Dr. Dewi Suharjanto vom Haus am Dom und Heike von Lützau-Hohlbein Kuratoriumsvorsitzende Deutsche Alzheimer Stiftung Grußworte. In Vertretung von Stadtrat Majer übermittelte danach Alexandra Dippel; Leiterin der Abteilung Psychiatrie im Gesundheitsamt die Grußworte der Stadt Frankfurt und dankte in ihrer Rede für das ehrenamtliche Engagement:

 

"Die Alzheimer Gesellschaft Frankfurt am Main stellt ein sehr wichtiges Mitglied des seit vielen Jahren etablierten und sich stetig entwickelnden Netzwerkes aus haupt- und ehrenamtlichen Akteuren in der Stadtgesellschaft dar."

 

Im Anschluss zeigt Dr. Gisela Bockenheimer-Lucius vom Frankfurter Netzwerk Ethik in der Altenpflege in einem Impuls-Referat durch das Stück "Die garstige Alte" welche Auswirkungen eine demenzielle Erkrankung im Alter haben kann.

 

Heike von Lützau-Hohlbein die ehemalige Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft trat nochmals ans Rednerpult deren Mutter an Demenz erkrankte betont in ihrem Impulsvortrag die Wichtigkeit der Betreuung durch Angehörige und zeigte anhand einer alltäglichen Situation, dass Menschen im allgemeinen nicht immer richtig mit Demenzerkrankten umgehen und dass es noch sehr viel Vermittlung von Informationen bedarf um die Gesellschaft für das Thema Demenz zu sensibilisieren.

Der anschließene Programmteil wurde durch den Filmjournalisten Günther Wagner gestaltet.

Wagner gab eine kurze Einführung zu dem Fotofilm "Gramp - ein Mann altert und stirbt".

 

Der Film beschreibt in Fotos die letzten Lebensjahre von Frank Tugend, einem ehemaligen Bergarbeiter und die Folgen seiner demenziellen Erkrankung für ihn und seine Angehörigen.

 

Auszug aus dem Programm

Blick ins Programm
Blick ins Programm

 

Die Enkel ihres Großvaters Frank Tugend genannt "Gramp" haben die letzten drei Jahre seines Lebens in schwarzweißen Bildern und Aufschreibungen der Erfahrungen, die sie mit ihrem Großvater während dieser Zeit gemacht haben festgehalten.

 

Der Film beschreibt auf u.a. die einhergehenden Wesensveränderungen ihres Großvaters und

auch die Entscheidung – wenige Wochen vor dem Tod Großvaters –  ob sie Gramp zur künstlichen Ernährung in ein Krankenhaus bringen sollten oder nicht.

 

Sie entscheiden sich, nachdem Gramp unmissverständlich gezeigt hatte, dass er sterben wollte, dafür, dass er zu Hause sterben und seine menschliche Würde nicht verlieren sollte. Dabei begleiten sie ihn bis zum Tod mit der Kamera.

 

Der Film zeigt, dass ihr Großvater Gramp seine Ängste nicht mehr mit den andern teilen kann. Das wird bereits bei einer Begebenheit ziemlich am Anfang des Films deutlich:

 

„Glaubst du, dass der Kerl was dagegen hat, wenn wir sein Land umgraben?“ fragte er mich ängstlich, als wir den Garten bestellten, so wie all die Jahre zuvor. „Aber es ist dein Land, Gramp“, erwiderte ich. „Du hast doch nichts dagegen, oder?“

 

Gramp schaute seine Angehörigen hilflos an, und dann lachte er mit ihnen zusammen.

 

Großer Saal

Knapp 80 Anwesende bei der Veranstaltung der AGFFM im Haus am Dom
Knapp 80 Anwesende bei der Veranstaltung der AGFFM im Haus am Dom

 

Nach dem 22minütigen Fotofilm und einer kurzen Pause mit Imbiss begeben sich die einzelnen Teilnehmer in verschiedene Seminarräume zu Workshops.

 

Dort wurde der Film aus unterschiedlichen Aspekten aufgearbeitet und diskutiert. 

 

Workshops

Workshop mit Hans Karl Müller
Workshop mit Hans Karl Müller

 

Anhand der Bilder des Films wurden in fünf verschiedenen Workshops Aspekte wie Ehe und Partnerschaft, Umgang mit Scham, Sterben und Abschied, Zeit und Vergänglichkeit vertieft betrachtet.

 

Die fünf Leiter der Workshops sind allesamt ausgewiesenen Fachleute auf ihrem Gebiet:

  • Dr. Gisela Bockenheimer-Lucius - Frankfurter Netzwerk Ethik in der Altenpflege
  • Susanne Lammertz - Schauspielerin, Skyline Theater
  • Roger Konrad - Pflege in Bewegung e.V.
  • Hans Karl Müller - Dipl. Psych. u. Theologe - Alzheimer Gesellschaft Frankfurt e.V.
  • Günther Wagner - Filmjournalist

Die Ergebnisse wurden anschliessend im großen Saal dem Publikum präsentiert und mit einer Expertenrunde auf dem Podium diskutiert.

 

Expertenrunde

Nachdenkliche Experten auf dem Podium v.l.n.r.: Hans K. Müller; Gisela Bockenheimer-Lucius und Susanne Lammertz
Nachdenkliche Experten auf dem Podium v.l.n.r.: Hans K. Müller; Gisela Bockenheimer-Lucius und Susanne Lammertz

 

Dabei wurde deutlich, dass sich Experten der unterschiedlichen Fachrichtungen auf dem Podium und Teilnehmer im Plenum nicht unbedingt immer einig waren in der Bewertung des Films "Gramp" und anderer Filme zum Thema Demenz.

 

Auch wurde die Vorgehensweise der beiden Enkel, die die Erkrankung des Großvaters mit einer Kamera begleitet hatten kontrovers diskutiert.

 

Einig waren sich jedoch alle, dass das Thema Demenz weiter durch eine Vielzahl von Aktivitäten

in die Öffentlichkeit gebracht werden muss, um die damit verbundenen gesellschaftlichen Herausforderung zu bewältigen und dass der Welt-Alzheimertag und die Veranstaltung der

AGFFM dazu einen sinnvollen Beitrag geleistet hat. (kl)

 

Weitere Infos zur Alzheimer Gesellschaft Frankfurt und ihre Aktivitäten hier