Frankfurter Buchmesse 2015

redaktioneller Beitrag von Klaus Leitzbach

v.l.n.r.: Podiumsteilnehmer Rushdie, Boos und Riethmüller © rheinmainbild.de

" Von der Frankfurter Buchmesse geht gerade auch vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingsströme der Ruf nach Freiheit und Toleranz in die Welt. "

Heinrich Riethmüller, Vorsteher Börsenverein des Deutschen Buchhandels

 

Obwohl der Iran gegen die Einladung Rushdie´s protestiert hatte war Rushdie ihr gefolgt

und zur Eröffnungs-Pressekonferenz nach Frankfurt gekommen, wenn auch unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen, die auch die Journalisten vor und während der PK wahrnahmen.

 

Der Iran ningegen hatte seine offizielle Teilnahme an der diesjährigen Frankfurter Buchmesse zurückgezogen.

 

Trotz dieses Rückzugs, würden dennoch mehrere hundert iranische Autoren nach Frankfurt kommen, sagte Juergen Boos auf der Eröffnungs-Pressekonferenz.

 

Rushdie der gerade seinen neuen Roman "Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte" herausgebracht hat, hielt in seiner etwa 20minütigen Rede eine Plädoyer für die Meinungsfreiheit.

 

Wir sind alle Menschen, die sich durch Sprache und Geschichten mitteilen", sagte der Autor, gleichgültig, in welchem Land man lebe, welche Religion man ausübe, welcher kulturellen Tradition man sich zurechne

 

Rushdie seit 1989 nach seiner Veröffentlichung seines Buches "Die satanischen Verse"

von der Fatwa mit dem Leben bedroht.

 

Mit Nachdruck rief Rusdie zur Verteidigung des freien Wortes auf: Ohne diese Freiheit seien alle anderen Freiheiten nichts wert.

 

Nicht nur Gewalt und Terrorismus bedrohten die Freiheit der Gedanken, auch selbst auferlegte Denkverbote, so Rushdie.

 

Boos erinnerte während der Pressekonferenz an das Jahr 1989, als sich 19 deutschsprachige Verlage zusammenschlossen, um trotz aller Bedrohung Rushdies "Satanische Verse" zu veröffentlichen.

 

Die Absage Irans an der Teilnahme der diesjährigen Buchmesse bedauerte Boos mit den Worten:

"Wir verpassen damit eine Gelegenheit, Ideen auszutauschen."

 

Salman Rushdie und sein neues Buch

Salman Rushdie und sein neues Buch "Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte" © rheinmainbild.de

Klaus Leitzbach (alle Fotos dieses Artikels)

 

Für den Vorsteher des Börsenvereins, Heinrich Riethmüller, ist die Meinungsfreiheit nicht nur die Basis einer demokratischen Gesellschaft sondern auch der Buchbranche.

 

Deshalb bedauerte Riethmüller, dass Rushdie immer noch mit einer Todesdrohung belegt sei.

 

Von der Frankfurter Buchmesse gehe gerade auch vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingsströme der Ruf nach Freiheit und Toleranz in die Welt.

 

Boos: ... " Die Literatur muss rausgehen und stören "

Buchmessedirektor Juergen Boos                                                  Rushdie, Boos, Riethmüller © rheinmainbild.de

 

"Die Literatur muss rausgehen und stören ....es geht nicht um das gedruckte Buch, sondern um das, was drinsteht."

Buchmessedirektor Juergen Boos

 

Pavillon des Ehrengastlandes Indonesien

Pavillon und indonesische Kultur © rheinmainbild.de

 

Mittelpunkt der Präsentation des Gastlandes ist der Indonesien-Pavillon im Forum / Ebene 1.

 

Denn dort laden sieben Inseln dazu ein, die eindruckvolle Vielfalt der Wörter, Sagen, Tänze und Genüsse vom weltgrößten Archipel in Autorenlesungen und Diskussionen, Musik, Performances, Filmen und exotischen Speisen kennenzulernen.

 

"Im Ehrengast-Pavillon wird Indonesien mit allen Sinnen erfahrbar und zeigt sich vielseitig wie nie.

Ich bin sicher, dass die Besucher der Buchmesse einen ganz neuen Eindruck von diesem spannenden Land mit nach Hause nehmen werden, jenseits aller Stereotype", sagt Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse.

Und Goenawan Mohamad, Autor und Leiter des Organisationskomitees des Ehrengastes 2015 ergänzt:

 

"Es ist voller Ironie, dass so viele Menschen in Deutschland praktisch nichts über Indonesien wissen, denn der Mann, der den Namen dieser ausgedehnten Inselgruppe als Erster bekannt machte,

war ein Deutscher: Adolf Bastian, ein in Bremen geborener Gelehrter und Schiffsarzt, der im

19. Jahrhundert Südostasien bereiste.

 

In diesem Bewusstsein haben wir unseren Auftritt in Frankfurt mit einem konkreten Ziel vorbereitet: zu informieren und einzuladen, Indonesien über das Exotische und die Klischees hinaus kennenzulernen und neue Erfahrungen zu machen.

 

Wir glauben, dass unser Motto 17.000 Inseln der Imagination zu solch einer Erfahrung führen wird und hoffen, dass alle Europäer dies spannend und auch gewinnbringend finden werden, insbesondere in diesen Zeiten."

 

Eröffnungsfeier

Anies Rasyid Baswedan - Indonesischer Minister für Bildung und Kultur                         Goenawan Mohamad, Leiter des OK

 

" Deutschland erlebt im Augenblick eine Entwicklung was wir Vielfalt nennen "

Anies Rasyid Baswedan - Indonesischer Minister für Bildung und Kultur

 

 

Alle Redner machten auf der Eröffnungsfeier das Thema Flüchtlinge zum Teil ihrer Rede und betonten, dass diese Situation mehr Chancen als Risiken bedeute.

 

Das Gastland Indonesien ist in Deutschland und Europa „ein eher unbekanntes Land“,

so Anies Rasyid Baswedan, indonesischer Minister für Bildung und Kultur.

 

"Deutschland erlebe im Augenblick eine Entwicklung hin zu dem, „was wir Vielfalt nennen“.

 

Baswedan weiter: Deutschland werde noch „viel reicher und schöner durch das Gespräch mit den verschiedenen Kulturen“ .

 

Indonesien kennt diese Vielfalt, dafür spricht auch das Motto der Buchmesse

„17 000 Inseln der Imagination“.

 

Ein Land von wahrhaft großer Vielfalt, denn auf den Insel leben Menschen, die ungefähr

700 verschiedene Sprachen sprechen und etwa gleich viele unterschiedliche ethnische Gruppen.

 

Weitere Redner der Eröffnungsfeier waren Juergen Boos; Direktor der Frankfurter Buchmesse, Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels; Monika Grütters, Staatministerin für Kultur und Medien; Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann; sowie aus dem Ehrengastland Indonesien Minister Anies Rasyid Baswedan und Goenawan Mohamad, Autor und Leiter des Organisationskomitees des Landes. Ministerpräsident Volker Bouffier, der ebenfalls eine Rede halten sollte, war krankheitsbedingt nicht anwesend.

 

Für die musikalische Begleitung der Eröffnungsfeier sorgte die indonesische Sängerin Endah Laras (siehe Bild unten).

 


" Dit is wat we delen. Dies ist, was wir teilen " Rückblick 2014

© rheinmainbild.de  v.l.n.r.: Bas Pauw, Judith Uyterlinde, Bart Moeyaert,

 

Wir werden ein "Summen, Brummen und Schwirren" verursachen

Bart Moeyaert, Künstlerischer Leiter des Gastlands 2016 Flandern/Niederlande

 

Bislang war es immer so, dass der Ehrengast des Folgejahres auf der Buchmesse während einer Pressekonferenz einen kurzen Ausblick auf das Programm im kommenden Jahr gab.

 

Doch diesmal war alles anders: Bart Moeyert - Künstlerischer Leiter des Gastlands Niederlande/Flandern - nannte gleich eine Vielzahl von Details.

 

Das Motto im kommenden Jahr: "Dit is wat we delen. Dies ist, was wir teilen"

 

Was verbindet Flandern mit der Niederlande und was verbindet beide mit Deutschland

und dem Rest der Welt?

 

Als Bild wurde die verbindende Nordsee gewählt, die Bewegung des Wassers, Ebbe und Flut - so soll mit viel Dynamik Frankfurt mit Veranstaltungen geflutet werden - doch nicht nur die Mainmetropole.

 

Es sind auch eine Vielzahl begleitende Veranstaltungen in anderen deutschen Städten geplant.

 

Wir werden ein "Summen, Brummen und Schwirren" verursachen, so Bart Moeyaert.

Judith Uyterlinde, die Koordinatorin des Literaturprogramms ergänzt:

 

"Niederländische und flämische Autoren werden die Buchmesse in Leipzig und die lit.Cologne in Köln "überfluten".

 

Im Pavilon auf dem Frankfurter Messegelände sollen vier Inseln mit Virtual Reality Präsentationen

die Besucher in bisher unbekannte Welten entführen.

 

Bücherdoktoren werden mit einem guten Buch so manchen Zipperlein heilen, was dabei am besten hilft sind natürlich "niederländischsprachige Bücher in Übersetzung" meint Bart Moeyaert mit einem augenzwinkern.

 

Man darf gespannt sein, was die "Fluten" aus Flandern und den Niederlanden noch Überraschendes

mit sich bringen werden.

 

Flandern und die Niederlande waren bereits 1993 Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse.


Fazit:

 

Die Bilanz der diesjährigen Frankfurter Buchmesse fällt positiv aus.

 

Denn nach dem Besucherschwund der beiden vergangenen Jahre kamen mit rund 275.000 Besucher

erstmals wieder mehr Besucher zur weltgrößten Bücherschau nach Frankfurt.

 

Besonders viele junge Menschen waren in den Messehallen zu sehen.

 

Während die ersten 3 Tage der Messe dem Fachpublikum und den Medien vorbehalten war,

stürmte am Wochenende das allgemeine Lesepublikum die Frankfurter Messehallen und

sorgte für ein Besucherplus von etwa 2 Prozent während der gesamten Messedauer.

 

Für viele Aussteller war die 67. Frankfurter Buchemesse geschäftlich gesehen die erfolgreichste

seit Jahren, zog Buchmessedirektor Juergen Boos am Ende der Veranstaltung sein Fazit.

 

Angesicht der angespannten politischen Weltlage habe die Branche klar Position für Meinungs-

und Publikationsfreiheit bezogen, so Boos weiter.

 

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