Stasi-Wanderausstellung in Mainz

Feind ist, wer anders denkt - Ausstellung über die Staatssicherheit der DDR

redaktioneller Beitrag von Klaus Leitzbach und Friedhelm Herr 16. November 2017

Flächendeckende Bespitzelung | Mitarbeiter der Stasi-Unterlagenbehörde Martin Schaffert und Helga Schilling

 

Die Ausstellung „Feind ist, wer anders denkt“ im Mainzer Dommuseum gibt Einblicke in die Arbeit

der DDR-Staatssicherheit und sie zeigt welche Folgen die Bespitzelung für ihre Opfer hatte.

 

Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), im Volksmund Stasi, war geheimer Nachrichtendienst

der DDR, politische Geheimpolizei und Untersuchungsorgan zugleich.

 

Besonders die Rechtsprechung der 50er Jahre des DDR-Regimes war geprägt von Willkür und Härte

und hatte nur ein Ziel - die Einsüchterung und Ausschaltung Andersdenkender.

 

Die Wanderausstellung der Stasiunterlagen-Behörde zeigt Dokumente, die belegen, dass der Arm

der DDR-Spitzel bis ins Rhein-Main-Gebiet reichte.

 

Sie dokumentiert, wie durch Überwachung, Bespitzelung und Unterdrückung von Menschenrechten die Macht der Staatspartei SED in der DDR gesichert wurde.

 

Durch Filme, Hörstationen und Schautafeln dokumentiert die Ausstellung, wie die zuletzt 91.000 hauptamtlichen Stasi-Mitarbeiter rigoros gegen die "Feinde der sozialistischen Ordnung" vorgingen.

 

Die Wanderausstellung wurde erstmals zum Tag der Deutschen Einheit 2008 in Hamburg gezeigt.

 

Berliner Mauer. Unfreiheit. Bespitzelung.

Berliner Mauer in der Bernauerstraße und Utensilien der Stasi-Bespitzelung © rheinmainbild.de

 

Bevor sie nach Mainz kam wurde sie danach noch in verschiedenen Städten präsentiert. Neben der Entstehung, Aufgaben und Methoden des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), zeigt die Ausstellungsfläche in Mainz auch Biografien von Menschen, die ins Visier der Stasi geraten sind.

 

Wie erging es den Menschen in Ost und West, die von der DDR-Geheimpolizei überwacht wurden?

Wie aktiv war die Stasi in der Bundesrepublik? Und welche Methoden wandte die Stasi an?

 

Auf diese und andere Fragen gibt die Ausstellung beeindruckend und zugleich bedrückend Auskunft.

 


Als der populäre Mainzer Oberbürgermeister "Jockel" Fuchs 1987 nach Erfurt reiste, um die Möglichkeiten einer Städtepartnerschaft auszuloten, überwachte die Stasi jeden seiner Schritte.

 

Ein weiteres Beispiel zeigt, wie ein ziviler Angestellter, der für das amerikanische Militär

im Raum Mainz tätig war, für die DDR spitzelte. Die längste Zeit arbeitete er im Materiallager der "McCully-Barracks" in Wackernheim.

 

Bei Verwandtenbesuchen in der DDR berichtete er seinem Führungsoffizier unter dem Decknamen "Michael" bis 1989 regelmäßig von Aktivitäten der US-Streitkräfte und übergab ihm mitgeführte Aufzeichnungen und Dokumente. Den Kontakt hatte seine in der DDR lebende Tochter hergestellt. Quelle: BStU


Um sich Informationen zu beschaffen setzte der Staatssicherheitsdienst sogenannte inoffizielle Mitarbeiter (IM) ein. Zu diesem Zweck warb die Stasi massiv unter der DDR-Bevölkerung IM´s an.

 

Doch es gab viele DDR-Bürger, die Zivilcourage bewiesen, indem sie sich diesem Anwerbungsversuchen widersetzten.

 

Das DDR-Regime garantierte zwar per Verfassung das Postgeheimnis, doch die Stasi kontrollierte Postkarten, Briefe, Pakete und Telegramme aus dem Ausland und auch innerhalb der DDR.

 

So haben viele Antragsteller auf Einsicht in die Staatssicherheitsakten bei iher Akteneinsicht Kopien von Postsendungen entdeckt die ihren Adressaten nie erreicht haben.

 

Interview. Ausstellung. Exponate.

Interview mit Dr. Henrik Bispinck | Ausstellungsführung mit Mitarbeiter der BStU © rheinmainbild.de/Friedhelm Herr

 

Zu den fachkundigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stasi-Unterlagen-Archivs gehört auch Helga Schilling, die in Mainz während der Öffnungszeiten der Ausstellung für Auskünfte zur Verfügung steht und Besucher beim Rundgang begleitet. Auf die Frage, wie die Ausstellung von Schulklassen angenommen wird, sagte sie: "Ich war angenehm überrascht über die Resonanz und das Interesse der Schüler. Ein geführter Rundgang im Rahmen eines Schülerprojekttags, dauerte nicht die dafür angesetzte Zeit von einer Stunde, sondern ganze 3 Stunden, da das Interesse der Schülerinnen und Schüler enorm groß war". so Schilling.

 

Während der Ausstellung haben Besucher auch die Möglichkeit, einen Antrag auf Akteneinsicht in die Stasi-Unterlagen zu stellen. Ein Katalog zur Ausstellung, der kostenlos von den Besuchern mitgenommen werden kann, fasst die wichtigsten Erläuterungen Fotos und Dokumente aus der Ausstellung  „Feind ist, wer anders denkt“ zusammen.

 

Ministerpräsidentin Malu Dreyer © rheinmainbild.de Klaus Leitzbach

 

 

„Wenn man das Heute verstehen will, muss man wissen,

wie es dazu gekommen ist und aus welchen Fehlern der Vergangenheit man lernen kann."

 

Ministerpräsidentin Malu Dreyer beim Besuch der Ausstellung

 

Mehrere Themenvorträge begleiten die Ausstellung in Mainz. So hat unser Interviewpartner von der

Stasi-Unterlagenbehörde Dr. Henrik Bispinck zu dem Thema gesprochen: "Flucht aus der DDR. Der Westen und die Stasi".

 

Ein wichtiges Thema, denn knapp vier Millionen Menschen verließen zwischen 1949 und 1989 die DDR in Richtung Westen. Entweder flüchteten Sie über die Berliner Mauer oder die innerdeutsche Grenze, kehrten von Besuchsreisen nicht zurück oder stellten Anträge auf dauerhafte Ausreise. Die SED versuchte, die massenhafte Abwanderung mit unterschiedlichen Mitteln zu bekämpfen. Der Vortrag beleuchtet diese Maßnahmen, zu denen auch der Einsatz des Ministeriums für Staatssicherheit zählte.

 

Nicht selten blieben Angehörige in der DDR zurück, die dann mit Repressalien seitens der Stasi attakiert wurden.

 

Interview mit Dr. Henrik Bispinck - Zeithistoriker und

wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin

Im Gespräch mit dem Zeithistoriker Dr. Henrik Bispinck © rheinmainbild.de/Friedhelm Herr
Im Gespräch mit dem Zeithistoriker Dr. Henrik Bispinck © rheinmainbild.de/Friedhelm Herr

Hier geht es zum Interview

 

Die Ausstellung in Mainz ist wirklich sehenswert, denn sie dokumentiert nicht nur die Entstehung, die Aufgaben und Methoden des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), sowie die Schicksale ihrer Opfer, sondern sie zeigt einen wichtigen Abschnitt der jüngsten deutschen Geschichte.

 

Mit der Wanderausstellung leistet die Stasi-Unterlagenbehörde einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der Machenschaften der DDR-Geheimpolizei und hält das kollektive Gedächtnis

an dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte wach.

 

Es ist zu hoffen, dass die Ausstellung noch viele Jahre durch Deutschland tourt. In Mainz gibt es zu einem Besuch noch Gelegenheit bis 10. Dezember 2017. (kl)

 

Bilderstrecke zur Stasi-Wanderausstellung in Mainz

 © rheinmainbild.de

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