Interview mit Lea Wissel von der GFFB in Frankfurt

Fotos v.l.n.r.: FFM JOURNAL Interviewer / Lea Wissel © rheinmainbild.de/Karl Lorenz / Klaus Leitzbach

Zur Person:

Frau Lea Wissel arbeitet bei der GFFB Seniorenagentur im Bereich Veranstaltungsmanagement

und Networking.

 

Interview:

 

FFM JOURNAL:

Die GFFB ist eine gemeinnützige GmbH, Bildungseinrichtung und

Arbeitsmarktdienstleister zugleich, welche Ziele verfolgt die Einrichtung? 

 

Lea Wissel:

Die GFFB ist eine gemeinnützige GmbH und verfolgt seit über 20 Jahren das Ziel, durch ihre vielfältigen Projekte, den Dialog und die Partizipation der städtischen Gesellschaft und all ihrer Akteure anzuregen, um so nachhaltige Strukturen für ein soziales Miteinander und die Teilhabe aller Bürgerinnen und Bürger zu schaffen. Als Bildungs- und Beratungsunternehmen geben wir Orientierung und erarbeiten gemeinsam mit unseren Teilnehmenden berufliche Perspektiven. Diese reichen von z.B. Arbeitsgelegenheiten, über Umschulungen bis hin zu Coachings. Die GFFB gGmbH sieht sich als Unternehmen und Arbeitgeber dem Leitbild Nachhaltigkeit, Chancengleichheit, Vernetzung und Professionalität verpflichtet, das wir versuchen nach innen zu leben und nach außen zu tragen. Die GFFB ist eine von der DQS zertifizierte und als Bildungseinrichtung zugelassene Organisation nach der Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV), Mitglied im Verein Weiterbildung Hessen, in dessen Vorstand die Geschäftsführerin der GFFB, Barbara Wagner, wirkt und wurde bereits fünffach mit dem Total-E-Quality-Prädikat ausgezeichnet. Zudem sind wir Unterzeichnerin der Charta der Vielfalt sowie der hessischen Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Alljährlich initiieren wir auch Fachkongresse zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen. Das Thema Pflege, also der Sorgearbeit im Angesicht des demographischen Wandels, der Globalisierung des Pflegemarkts und die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege möchten wir z.B. am 23. Mai 2017 in einem Fachkongress an der Uni Gießen vertiefen und mit Expertinnen und Experten verschiedenster Disziplinen diskutieren.  

 

 

FFM JOURNAL:

Wie viele Mitarbeiter beschäftigt die GFFB aktuell und welche fachliche Qualifikation

bringen sie mit?

 

 

Lea Wissel:

Die GFFB als gemeinnütziges Dienstleistungsunternehmen beschäftigt aktuell 63 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 42 in Vollzeit und 21 in Teilzeit. Die Fachkräfte sind je nach Schwerpunkt der Tätigkeit und Ausrichtung des betreffenden Projekts in verschiedenen Bereichen qualifiziert. Projekte und Qualifizierungsfelder stellen unterschiedliche Anforderungen an das Personal, sodass einmal mehr pädagogische Unterstützung verlangt wird und ein anderes Mal die fachliche Komponente im Vordergrund steht. Die Geschäftsführung, wie auch deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen mit geeigneten Angeboten die Potenziale von Menschen optimal fördern, kreative Lösungsansätze gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden entwickeln und mit unseren Projekten einen Mehrwert für die Menschen in der Region erbringen.

 

 

FFM JOURNAL:

Welche Projekte unterstützt die GFFB und welche Schulungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten

bietet sie an? 

 

Lea Wissel:

Die GFFB bietet selbst zahlreiche Aktivierungs- und Qualifizierungsprojekte an. Wir fördern auch externe Projekte, wie z.B. mit unserer Weihnachtsspende für das von Medico International unterstützte „City Plaza in Athen“, das derzeit 400 geflüchtete Menschen beherbergt. So wichtig unser überregionales Engagement auch ist, konzentrieren wir uns als Frankfurter Unternehmen aber bei unseren Aktivitäten auf die Unterstützung lokaler Initiativen und Bevölkerung. Die an Aktivierungs- und Beschäftigungsprojekten Teilnehmenden können sich in der GFFB in einem gesetzten Rahmen Projekte auswählen, die ihr Interesse geweckt haben, ihren zukünftigen beruflichen Wünschen entsprechen und ihre Talente fördern. Darüber hinaus ist uns auch an der Möglichkeit der Teilhabe aller gesellschaftlichen Gruppen und einem partizipativen Stadtgeschehen gelegen. Hierzu kooperieren wir aber auch mit zahlreichen Partnern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, sind in Arbeitskreisen und Netzwerken aktiv und nutzen diese Synergieeffekte, um einen Beitrag zu einer funktionierenden Stadtgesellschaft zu leisten. Ein gutes Beispiel für diese Aktivitäten ist das Projekt „Wir sind Frankfurt“. Das Projekt ist als Sprachrohr derer zu verstehen, die sich gegen den Rechtsruck in unserer Gesellschaft positionieren wollen und soll den Zusammenhalt aller Frankfurterinnen und Frankfurter stärken. Neben verschiedenen Veranstaltungsformaten, wie z.B. einem Spielenachmittag für Ältere, Teilnehmende und Geflüchtete der am 14. März startet, Workshops und einer Facebook- Plattform, suchen wir aktuell weitere Bürgerinnen und Bürger jeder Couleur, die Lust haben sich für unser Fotoprojekt „Freiheit - Teilhabe – Toleranz. Sag JA! zu den Grundrechten unserer Demokratie“ am 18. Februar casten zu lassen. So interessant die Projekte sind, so zahlreich sind sie und es würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen, jedes einzelne vorstellen zu wollen.

 

GFFB Interviewbilder

FFM JOURNAL im Gespräch mit den MitarbeiterInnen der GFFB Lea Wissel, Veranstaltungsmanagement und Networking der Seniorenagentur, Laetitia Barbot, Teamleitung Administration und Kommunikation, sowie Carola Beck, Fachanleitung

der Seniorenagentur v.l.n.r. Fotos: © rheinmainbild.de/Karl Lorenz

 

FFM JOURNAL:

Wie viele Teilnehmer besuchen die Kurse für Schulungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten

der GFFB und welchen gesellschaftlichen oder sozialen Hintergrund haben die Teilnehmer? 

 

Lea Wissel:

Aktuell arbeiten wir mit 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit unterschiedlichsten sprachlichen und fachlichen Hintergründen und auch Lebenssituationen in unseren Qualifizierungs- und Beschäftigungsprojekten. Ein wichtiges Ziel der GFFB ist es die Teilnehmenden individuell zu fördern und Angebote zu schaffen, von denen die Teilnehmenden effektiv profitieren. So ist es ein wichtiges Anliegen den transkulturellen Dialog anzuregen, indem wir im Rahmen und als Unterstützung der Tätigkeiten begleitende und berufsintegrierte Sprachförderung anbieten. Auch das Thema Gesundheit und deren Förderung liegen uns sehr am Herzen. Die Angebote sind dabei so vielfältig wie die Teilnehmenden und deren Ansprüche und Bedarfe.

 

 

FFM JOURNAL:

Warum beteiligt sich GFFB an der Demenz-Partner Kampagne, und haben Sie in

ihrem sozialen Umfeld einen persönlichen Bezug zum Thema Demenz oder Alzheimer?  

 

Lea Wissel:

Im persönlichen Umfeld haben wir kaum Bezug und wenig Erfahrungen mit der Krankheit, aber im Beruflichen umso mehr. Auf den diversen städtischen Veranstaltungen zum Thema Älterwerden treffen wir immer wieder auf die sehr aktive Netzwerkpartnerin Frau Müller von der  Alzheimer Gesellschaft Frankfurt. Das Thema Demenz ist leider immer noch ein Tabu-Thema, was den Austausch und den Informationsfluss bremst. Wir wollen dem Entgegenwirken und durch die Sensibilisierung der, und die Informationsweitergabe an die, Teilnehmenden, die Aufmerksamkeit und Achtsamkeit in ihrer Tätigkeit gegenüber der Zielgruppen der Älteren und Angehörigen erhöhen, um so aktiv an der Aufklärungskampagne des Bundes teilhaben zu können. Als Initiatoren des heutigen Trainings haben wir vor allem die Teilnehmenden der Projekte Informations- und Servicestelle Seniorenagentur Frankfurt sowie die des Einkaufs-, Begleit- und Unterstützungsservice angesprochen, da diese täglich mit Anfragen von Seniorinnen und Senioren, deren Angehörigen und weiteren lokalen Initiativen konfrontiert sind. Die Seniorenagentur bietet eine Webseite, einmal im Monat stattfindende Seniorennachmittage sowie ein Servicetelefon an, das alle Fragen rund ums Thema Älterwerden in unserer Stadt beantwortet. Der Einkaufs-, Begleit- und Unterstützungsservice ermöglicht älteren Menschen oder denjenigen, die dauerhaft oder vorübergehend in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, eine kostenlose Begleitung, um Vereinsamung, Immobilität und Abhängigkeitsverhältnissen entgegenzuwirken. Um Menschen und deren Situationen richtig einordnen und mit ihnen umgehen zu können, ist es enorm wichtig Unwissen abzubauen, Ängste zu überwinden und geeignete Ansprechpartner wie die Frankfurter Alzheimer Gesellschaft zu kennen, um auf deren Expertenwissen und Erfahrung zurückgreifen und entsprechende Anfragen an sie vermitteln zu können.

 

 

FFM JOURNAL: Was hat Ihnen die Teilnahme am Kurs gebracht?   

 

Lea Wissel:

Wir fanden das Training sehr hilfreich, denn wir haben neues Wissen und dadurch Sicherheit erlangt. Es hat uns für das Thema Demenz sensibilisiert und ganz praktische Tipps für das eigene Verhalten gegenüber an Demenz erkrankten Menschen gegeben sowie zur Hilfsbereitschaft und einem entkrampften Umgang auf Augenhöhe aufgerufen. Von dem Abbau von Hemmungen und Berührungsängsten gegenüber der Erkrankung, profitieren schließlich nicht nur die so Aufgeklärten und unsere Arbeit, sondern vor allem die Betroffenen und deren Familien. Denn Wissen um die Symptome der Krankheit und die Situation der Erkrankten erzeugt ein reflektiertes und angemessenes Verhalten, Empathie und Verständnis sowie die so dringend benötigte Geduld im Kontakt mit dementiell erkrankten Menschen. 

 

FFM JOURNAL:

Wir bedanken uns für das Interview.

(Das Interview wurde von Klaus Leitzbach im Rahmen der Initiative "Demenz Partner" am 25. Januar 2017 bei der GFFB durchgeführt)

 

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