Doppeldecker-Linienbusse für Frankfurt?

redaktioneller Beitrag von Klaus Leitzbach 17. Dezember 2015

Berlinbus als Linie 34 in Bornheim in Warteposition © rheinmainbild.de/Klaus Leitzbach (alle Fotos dieses Artikels)

 

"Die Erfahrung in Berlin zeigt, dass Fahrgäste dann lieber unten bleiben, wenn sie nur bis zu drei Haltestellen weit fahren. Auf der Linie 34 bleiben aber fast Dreiviertel der Fahrgäste fünf oder mehr Haltestellen weit im Bus sitzen - die Chancen auf Akzeptanz sind also gut"

TraffiQ Geschäftsführer Dr. Hans-Jörg von Berlepsch

 

Noch bis Samstag, den 19. Dezember testet die städtische Nahverkehrsgesellschaft traffiQ auf der Buslinie 34 einen Doppeldecker-Bus der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

 

Mit dem Test will traffiQ herausfinden, ob die in Berlin beliebten Busse auch von Frankfurter Fahrgästen akzeptiert werden.

 

Vom betrieblichen Ablauf, das ist bereits zuvor geprüft worden, sind die Doppeldecker für die Fahrtstrecke der Linie 34 vom Gallus (Mönchof) nach Bornheim-Mitte geeignet.

 

Der gelbe Niederflur-Bus ist bereits seit Montag den 14. Dezember auf der 16 Kilometer langen Strecke zusätzlich zu den bis zu 19 planmäßig eingesetzten Bussen im Einsatz.

 

Mit dabei sind geschulte Interviewer um die Meinung der Fahrgäste zu erfahren.

 

Am Samstag ist der Bus zwischen 7.00 Uhr und 17.00 zum letzten Mal auf der Linie 34 zwischen Mönchhofstraße im Westen über Rödelheim, Industriehof, Bockenheim, Ginnheim, Dornbusch

und Friedberger Warte bis Bornheim Mitte unterwegs.

 

Die Buslinie 34 wird werktags von rund 21.000 Fahrgästen genutzt - das sind 20 Prozent mehr

als noch vor zehn Jahren. In der morgendlichen "Rushhour" verkehren die Busse bereits im 6-Minutentakt.

 

Eine weitere Verdichtung des Fahrplans ist weder betrieblich noch ökologisch sinnvoll.

 

Verkehrsdezernent Stefan Majer

„Für unsere Fahrgäste wollen wir hoch hinaus“  Verkehrsdezernent Stefan Majer

Verkehrsdezernent Stefan Majer                               Berliner Doppeldecker am Markus-Krankenhaus © rheinmainbild.de

 

Insbesondere für die Anwohner in Rödelheim, wo die Busse auf ihrer Schleife zum Bahnhof teilweise im Drei-Minuten-Takt durch enge Straße fahren, stellen sie eine zusätzliche Belastung dar.

 

Der Einsatz von Gelenkbussen oder Buszügen, wie sie traffiQ bereits 2013 im Frankfurter Westen getestet hatte, scheidet aus:

 

Dafür sind die Kurven am Linienverlauf zu eng und zahlreiche barrierefreie Haltestellen entlang der Linie sind in der Länge nicht ausbaufähig, weil sie durch Einfahrten oder Bäume begrenzt werden.

 

Berliner Doppeldeckerbus in Frankfurts Straßen

Berliner Doppeldeckerbus innen und außen © rheinmainbild.de

 

Der 1995 gebaute Niederflur-Doppeldecker ist 11,70 Meter lang und bietet Platz für 94 Fahrgäste – das ist so viel wie in einem Gelenkbus und ein Drittel mehr als in den auf der Linie 34 eingesetzten Standardbussen.

 

„Entscheidend für einen zukünftigen Einsatz wird die Frage sein, ob das obere Deck von den Fahrgästen akzeptiert wird“, meint Dr. v. Berlepsch.

 

„Die Erfahrung in Berlin zeigt, dass Fahrgäste dann lieber unten bleiben, wenn sie nur bis zu drei Haltestellen weit fahren. Auf der Linie 34 bleiben aber fast Dreiviertel der Fahrgäste fünf oder mehr Haltestellen weit im Bus sitzen – die Chancen auf Akzeptanz sind also gut.“  

 

Bereits zwischen 1966 und 1976 waren bis zu 19 Doppeldecker in Frankfurt im Einsatz – interessanterweise auch auf der Linie 34, zwischen Mönchhofstraße und Bornheim.

 

Im Jahr 2016 möchte traffiQ dann nochmals fabrikneue Doppeldecker testen. (kl)

 


Update:

7. Dezember 2016

Knapp ein Jahr nach dem ersten Test mit einem Linienbus der Berliner Verkehrsbetriebe auf Frankfurts Straßen teilt die städtische Nachverkehrsgesellschaft Traffiq mit, dass es vorerst keine Doppeldeckerbusse im Linienbetrieb für Frankfurt geben wird.

 

Grund dafür ist die unzureichende Nutzung der zweiten Etage durch die Fahrgäste während

des Testbetriebs.

 

Deshalb habe man sich gegen den Einsatz der Busse entschieden.

 

 

Nur etwa die Hälfte der Fahrgäste nutzte die obere Etage

 

Wie ein Sprecher mitteilte steige nur die Hälfte der Fahrgäste über die Treppe in die obere Etage.

 

Damit sei ein reibungsloser Ablauf im Linienbetrieb nicht möglich. Bei Kurzfahrten sei es für

Fahrgäste zu umständlich, nach oben zu gehen.

 

Mit der Entscheidung für das vorläufige Aus für die Doppeldeckerbusse, bleibt aber weiterhin

die Frage unbeantwortet, wie auf stark den frequentierten Linien (Beispiel Busline 34) die nicht

von langen Gelenkbussen befahren werden können, für Entlastung gesorgt werden kann.

 

Denn beim Testversuch sprach man davon, dass eine weitere Verdichtung des Fahrplans

weder betrieblich noch ökologisch sinnvoll wäre. (kl)