Jörg Schüttauf Lesung in Frankfurt

redaktioneller Beitrag von Klaus Leitzbach 22. Mai 2015

Das Buch. Die Schauspieler. Das alte Frankfurter Polizeipräsidium. © rheinmainbild.de/Klaus Leitzbach (alle Artikelbilder)

(Bilder anklicken und vergrößern)

"... Als Tatort-Kommissar Fritz Dellow hatte ich eine nette und

sonnige Zeit in Frankfurt ..."

Adolf-Grimme-Preisträger und Schauspieler Jörg Schüttauf

 

 

Tatort-Kommisar "Fritz" Dellwo zurück in Frankfurt

© rheinmainbild.de
© rheinmainbild.de

 

Fast 5 Jahre nach seinem letzten TV-Auftritt

als Hauptkommissar Friedrich "Fritz" Dellwo

im Frankfurter Tatort kehrte Schauspieler

Jörg Schüttauf wieder nach Frankfurt zurück.

 

Gemeinsam mit seinem Schauspielerkollegen und Freund Holger Umbreit war er unweit des alten Frankfurter Polizeipräsidiums (seiner ehemaligen Wirkungsstätte im Frankfurt-Tatort) zu einer Lesung gekommen.

 

 

Die dafür gewählte Location war recht ungewöhnlich - ein Fitness-Studio. 

 

Hier bei Kieser-Training in der Niddastraße - wo sonst menschliche Körper schweisstreibende Übungen machen - waren dichtgedrängt zwischen Übungsgeräten Stuhlreihen aufgestellt.

 

Bis zum Beginn der Veranstaltung hatten dort mehr als 100 Personen Platz genommen.

 

Schüttauf der an der Seite von Andrea Sawatzki als Frankfurter Ermittler-Duo vor der Kamera stand, zeigte sich im Gespräch mit FFM JOURNAL rückblickend auf seine Zeit in Frankfurt erfreut:

 

"Meine Hauptrolle als Frankfurter Tatort-Kommissar Fritz Dellow war eine nette und sonnige Zeit

in meinem Schauspielerleben", so Jörg Schüttauf.

 

Die Rolle des Hauptkommissar Dellwo verkörperte Schüttauf 8 Jahre lang, wobei er gemeinsam

bis zu seinen letzten TV-Auftritt am 5. September 2010 im Fall "Am Ende des Tages" mit seiner

Kollegin Oberkommissarin Charlotte Sänger 18 Kriminalfälle in und um Frankfurt löste.

 

Auch bei der heutigen Lesung in der Frankfurter Niddastraße ging es um Polizei, Gangster

und auch eine Leiche - allerdings gepaart mit einer kräftigen Prise aberwitzigen Humor.

 

Schüttauf und Umbreit setzen die skurrile Geschichte in Szene

Schauspieler Jörg Schüttauf und Holger Umbreit mit Bühnenszenen © rheinmainbild.de

 

Geschäftsleiter Karlheinz Mahl (Kieser-Training Frankfurt) begrüßte Schauspieler und Gäste und erklärte im Dialog mit Schüttauf und Umbreit den Hintergrund für das Zusammentreffen in einem Fitness-Studio.

 

Dabei plauderten die beiden Schauspieler über ihre Erfahrung mit dem Autor des Buches, aus dem sie gleich vortragen wollten - Jonas Jonasson.

 

Zur Bühnenpremiere am Altonaer Theater (Schüttauf und Umbreit spielten mit) hatte sich auch Autor Jonasson angekündigt.

 

Doch leider konnte der Schwede wegen Rückenprobleme nicht zur Premiere nach Hamburg kommen.

 

"Wäre Jonasson doch nur gekommen, dann hätte ihm geholfen werden können", meinte Umbreit,

der neben seiner Schauspieltätigkeit auch noch Fitness-Experte ist und in Hamburg zwei Fitness-Studios von Kieser für gesundheitsorientiertes Krafttraining betreibt.

 

"Ja, wäre er nur gekommen, dann ...", fügte auch Schüttauf schmuzelnd hinzu.

 

Danach begannen sie mit ihrer mehr als einstündigen Darbietung, wobei sie nicht nur aus dem Buch

„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, vorlasen, sondern in verteilten Rollen sehr viel Leben in das Erstlingswerk des schwedischen Autors Jonas Jonasson brachten.

 

Wobei sie es verstanden die irrwitzige Flucht aus dem Altenheim und zugleich Lebensgeschichte von Allan Karlsson - einem recht eigenwilligen Mann mit viel Humor und sehr unterhaltsam vorzutragen.

 

Dieser Hauptprodagonist des Romans. der sich zwar nicht für Politik interessiert, aber trotzdem irgendwie immer in die großen historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts verwickelt war, sowie die anderen Akteure des Buches wurden von Schüttauf und Umbreit mit viel Engagement dargestellt.

 

Dabei standen die beiden Schauspieler mehrmals während ihrer Lesung auf, traten vor den Tisch,

um die Geschichte des Titelhelden und seiner skurrilen Reisegefährten auf ihrer Flucht vor Polizei

und Gangster mit allerlei Requisiten und viel Herzblut in Szene zu setzen.

 

Schüttauf schlurft dabei, Allan Karlsson darstellend als Tattergreis, in kleinen Schritten und in gebeugter Haltung über die Bühne, während Umbreit als Kommissar Aronsson ihn mit gezogener Waffe respektive Spazierstock (siehe Bild oben), dazu auffordert die Hände zu heben.

 

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Schüttauf. Szenen aus dem Bühnenstück. © rheinmainbild.de

 

Wie im Buch erzählen sie die Geschichte von Allan Karlsson, der aus einem Altenheim floh, in Rückblicken aus seinen Jugendjahren.

 

Als genialer Sprengmeister war Allan Karlsson einst über die spanische Revolution und Franco in die USA geraten, dort auf Präsident Truman getroffen, hatte beiläufig die Atombombe mitentwickelt und war mit Spionageauftrag nach China gereist.

 

Jetzt, wo er im Altenheim lebt und 100 Jahre alt wird, kündigen sich Bürgermeister und die lokale Presse an.

 

Doch darauf hat der Alte gar keine Lust.

 

Deshalb flieht er durch das Fenster (Erdgeschoss) und schon bald steht ganz Schweden wegen seiner Flucht Kopf.

 

Zunächst gelangt er an einem Busbahnhof eher zufällig in den Besitz des Koffers eines jungen Mannes, dessen Jacke die Aufschrift "never again" hat.

 

Statt der erhofften Kleidung zum Wechseln seiner Klamotten befinden sich darin aber 50 Millionen Kronen aus Drogengeschäften.

 

Deshalb sind schon bald eine Verbrecherorganisation, Polizei und Presse hinter ihm her.

 

Doch er möchte das Geld nicht wieder hergeben, und ins Altenheim viel er schon garnicht zurück.

 

Damit beginnt eine spektakuläre und abenteuerliche Flucht - dabei trifft Allan auf den 70-jährigen Gelegenheitsdieb Julius Jonsson, den reichen Imbissbudenbetreiber Benny Ljungberg und auf die schöne Elefantenbesitzerin Gunilla Björklund mit dem entlaufenen Elefanten Sonja.

 

Gunilla Björkland im Roman - auch als "Schöne Frau" bezeichnet - wurde von Holger Umbreit im

besten Kölner Dialekt gesprochen, da er - wie er auf der Bühne preisgab - in Köln geboren sei.

 

Interessant, spannend und witzig bringen die beiden Schauspieler die Erzählfreude des Buches

auf die Bühne.

 

Was das Publikum zwischendurch mit viel Lachen und am Ende mit langen Beifall honorierte.

 

Eine wirklich gelungene Veranstaltung, bei der die anwesenden Frankfurter und Frankfurterinnen "ihren" langjährigen Tatort-Kommissar bei der Signierung des Buches ganz nahe kamen. (kl)

 


Steckbrief Jörg Schüttauf

© rheinmainbild.de
© rheinmainbild.de

 

Jörg Schüttauf 1961 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) geboren

 

  • Nach der Schule Ausbildung zum Bühnentechniker
  • 1986 Theaterschule "Hans Otto" Leipzig Ausbildung                        zum Schauspieler
  • 5 Jahre am "Hans-Otto-Theater" in Potsdam
  • Theaterschauspieler "Max-Gorki-Theater" Berlin
  • Darsteller in mehreren Filmen und im Fernsehen der DDR          (u.a. Polizeiruf 110)
  • gesamtdeutscher Durchbruch 1992 durch die Hauptrolle in Lenz (Adolf-Grimme-Preis)
  • 1994 - 1997 Hauptrolle in der TV-Vorabendserie "Der Fahnder"
  • 2001 - 2010 an der Seite von Andrea Sawatzki als Hauptkommissar Fritz Dellwo "Tatort Frankfurt"
  • bis heute weitere diverse Filme und Theateranstellungen

Steckbrief Holger Umbreit

© rheinmainbild.de
© rheinmainbild.de

 

1989 in Brühl bei Köln geboren

 

  • Studium der Sportwissenschaften in Köln
  • gleichzeitig Ausbildung zum Schauspieler ab 1996 auf der Bühne, vor der Kamera und am Mikrofon
  • 2007 Rolle in "Tatort - Borowski und das Mädchen im Moor"
  • Erste Rolle in "Romeo und Julia"! unter der Regie von Lechtenbrink (Bad Hersfelder Festspiele)
  • 2008 - 2011 Stimme von Robert Monnier in der Hörspielreihe  Mark-Brandis
  • Schauspieler und Sprecher, Geschäftsleiter "Kieser Training" (Fitness-Studio) in Hamburg
  • Nebenrolle in "Notruf Hafenkante", "Rettungsflieger", "Marienhof" und "Großstadtrevier"
  • bis heute weitere diverse Bühnenanstellungen

Links zum Thema: